Industrielle Abwärme West

Ökologische Sektorenkopplung zur Nutzung unvermeidbarer Abwärme

Ökologische Sektorenkopplung zur Nutzung unvermeidbarer Abwärme

„Efficiency First“ ist im Rahmen der Energiewende das oberste Gebot bevor es an den Ausbau Erneuerbarer Energien geht, denn die sauberste Kilowattstunde ist die, die gar nicht erst erzeugt werden muss.

Neben der Verbrauchsreduktion bei den Endkunden ist dabei für die FW-Netzbetreiber im Wärmesektor ein wesentlicher Baustein die Nutzung von unvermeidbarer Abwärme.

Um das Ziel der Klimaneutralität zu sozialverträglichen Kosten zu erreichen, muss das volle Potenzial aller regional verfügbaren klimaneutralen Ressourcen genutzt werden. Neben dem Einsatz von Erneuerbaren Energien und perspektivisch klimaneutralen Gasen in Verbrennungsprozessen kann auch die unvermeidbare Abwärme industrieller Kühl- & Produktionsprozesse einen entscheidenden Beitrag leisten. Für die Fernwärme bedeutet das vor allem einen sehr niedrigen Primärenergiefaktor und langfristig stabile Preise. Dafür könnte die Firma TotalEnergies, die in Leuna eine der modernsten Raffinerien in Europa betreibt, einen wesentlichen Beitrag leisten.

Seit 2017 wurde die Option der Nutzung und Einbindung industrieller Abwärme untersucht, notwendige Gutachten erstellt und die Verhandlungen mit dem Unternehmen geführt. Im Sommer 2021 konnte als erster Meilenstein ein Kooperationsvertrag mit der TotalEnergies Raffinerie in Leuna geschlossen werden, der die Eckpunkte des Projektes regelt.

Ökologische Sektorenkopplung zur Nutzung unvermeidbarer Abwärme

v.l.: Geschäftsführer TotalEnergies Raffinerie Leuna Thomas Behrends v.r. Geschäftsführer Leipziger Gruppe und Leipziger Stadt­werke Karsten Rogall hinten: Projektteam

Kernidee ist eine Verbindungstrasse vom Industriestandort Leuna bis nach Kulkwitz in Leipzig. Bereits jetzt ist in der dortigen Raffinerie Produktionsanlage industrielle Abwärme mit bis zu 83 MW Leistung auf dem FW-Temperaturniveau ganzjährig verfügbar. Die entsprechende Wärmemenge entspricht etwa 38% des Fernwärmebedarfs in Leipzig. Rein rechnerisch können also 100.000 Leipziger Wohnungen damit CO2-frei beheizt werden.

Das Vorhaben wird unter dem Projektnamen „REFILL“ geführt. „Refill“ steht dabei für das „Nachfüllen“ des Heißwasserbedarfs in Leipzig mit ungenutzter Industrieabwärme vom Chemiepark Leuna.

Ökologische Sektorenkopplung zur Nutzung unvermeidbarer Abwärme

Beauftragung des regionalen Generalplaners ECW

Nach Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit der Geschäftsführung der Raffinerie und der internen Gremienzustimmung konnte der EU-weit ausgeschriebene Generalplanungsauftrag an ein regionales Planungsbüro aus Weißenfels vergeben werden.

Beauftragung des regionalen Generalplaners ECW

vl.n.r.: Geschäftsführer Leipziger Stadtwerke Dr. Maik Piehler, Geschäftsführer Leipziger Gruppe und Leipziger Stadtwerke Karsten Rogall, Geschäftsführer ECW Ralf Tauhardt und Projektleitung ECW Dana Preuhs

IconBeauftragung des regionalen Generalplaners ECWIcon

Bisher wird diese Abwärme aus den Produktionsprozessen ungenutzt überwiegend über Luftkühler an die Umgebung abgegeben. Damit ist industrielle Abwärme nicht zu verwechseln mit CO2-belasteter KWK-Wärme aus z. B. einem Braunkohlekraftwerk, bei dem trotz hoher Effizienz immer auch der Rohstoffeinsatz entsprechend erhöht werden muss. Eine Kopplung zwischen dem Kühlungsbedarf der Industrie in Leuna und dem Wärmebedarf der Großstadt Leipzig mit einem Fernwärme-Verbundsystem ist daher für die Region Mitteldeutschland und die Stadt Leipzig ökologisch ausgesprochen sinnvoll.

 

Beauftragung des regionalen Generalplaners ECW

Heiße Abwärmequellen

Heiße Abwärmequellen

IconAuf den Industriesektor entfallen heute rund 30 % des Endenergiebedarfs. Der überwiegende Teil der verwendeten Energie verlässt die Einsatzbereiche als Abwärme. Temperaturen unter 150 °C eignet sich zur externen Nutzung über Einspeisung in Fernwärmenetze.

IconDie Planungen sehen vor, dass die noch heißen Produkte aus den verschiedenen Prozessanlagen der Raffinerie sowie der zugehörigen Methanolproduktion die Abwärme für Leipzig liefern.

Am Chemie Standort Leuna könnten weitere Abwärmequellen aus manchen der ca. 100 angrenzenden Betrieben angebunden werden.

Zukunftsfähigkeit

Icon StandortDen Chemiestandort in Leuna gibt es bereits seit über 100 Jahren und er verändert sich ständig, sodass die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt. Die Raffinerie in Leuna ist eine der modernsten und effizientesten Raffinerien in Europa und verfügt über weitere chemische Produktionsanlagen abseits der Kraftstoffproduktion, deren Abwärme ebenfalls genutzt werden kann. Außerdem arbeitet das Unternehmen an alternativen Verfahren zur klimaneutralen, chemischen Produktion wie z. B. von Methanol oder synthetische Kraftstoffe.

IconDurch den Abwärmetrassenbau besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit der Mitverlegung von Infrastruktur für andere Medien, seien es Stromleitungen, Glasfaserleitungen für Daten oder Wasserstoffleitungen, die Leipzig mit der überregionalen Wasserstoff Infrastruktur verbinden. Diese Optionen werden gerade geprüft.

„Das Projekt sorgt für eine weitere Vernetzung in Mitteldeutschland und ist ein Baustein für einen klimaneutralen Standort in Leuna.”

Industrielle Abwärme West

Thomas Behrends

Geschäftsführer TotalEnergies Raffinerie in Leuna

„Das Projekt ist eine zukunftsträchtige, strategische Option für die sichere und
wirtschaftliche Wärmeversorgung Leipzigs und ermöglicht gleichzeitig einen
weiteren großen Schritt hin zur Klimaneutralität der Stadt.”

Industrielle Abwärme West

Karsten Rogall

Geschäftsführer Leipziger Gruppe und Leipziger Stadtwerke

„Die Raffinerie arbeitet kontinuierlich an Projekten zur Steigerung der Energie-
Effizienz. Das geplante Fernwärme-Projekt mit der Stadt Leipzig ist ein Beispiel
dafür, wie wir in der Region Möglichkeiten für den ressourcenschonenden Umgang mit Energie vorantreiben wollen.”

Industrielle Abwärme West

Marc Pecquet

Projektleiter TotalEnergies Raffinerie in Leuna

„Die Einbindung industrieller Abwärme sichert unseren Kunden langfristig stabile und bezahlbare Wärmepreise.“

Industrielle Abwärme West

Dr. Maik Piehler

Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke

„CO2-neutrale Abwärme ist für ein Fernwärmesystem die effizienteste Lösung und katapultiert uns in Leipzig von 0 auf über 38 % Klimaneutralität bereits bis 2026.“

Industrielle Abwärme West

Marcus Krüger

Projektleiter Leipziger Stadtwerke

Umsetzungsplan

UmsetzungsplanAufgrund der Größe des Investitionsvolumens sowie dem Erfordernis eines Planfeststellungsverfahrens in jedem der zwei Bundesländer, ist davon auszugehen, dass die Projektrealisierung noch ca. 5 Jahre bis 2026 in Anspruch nehmen wird. Die Analysephase wurde in 2020 weitestgehend abgeschlossen und zeigt, dass eine Realisierung technisch, genehmigungsrechtlich und bei Ansatz entsprechender Fördermittel für beide Unternehmen wirtschaftlich umsetzbar ist und so große Mengen CO2 dauerhaft in Leipzig reduziert werden können.

Die folgenden 5 Jahre teilen sich in die Phase der Entwurfs- & Genehmigungsplanung mit dem anschließenden Planfeststellungsverfahren und den begleitenden Umweltgutachten bis 2024 sowie den nachfolgenden Bau der ca. 20 km langen Trasse bis 2026 auf.

Parallel wird auch in den Produktionsanlagen in Leuna ein Konzept für die Infrastruktur zur Wärmerückgewinnung, sowie zur Übertragung nach Leipzig erstellt. Über den Planungsstand soll kontinuierlich über die Homepage berichtet werden.

Wir sind für Sie da

Wir sind für Sie daWir möchten Sie über alle Projekte transparent informieren und auf dem Laufenden halten.

Bitte wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen direkt an:
Frank Viereckl, Telefon: 0341 355300-88
E-Mail: zukunftskonzept-fernwaerme.stadtwerke@L.de